Dieser Patientenfall zeigt die Versorgung einer unilateralen Freiendsituation im Unterkiefer nach Verlust der Pfeilerzähne einer Brücke. Die Patientin wurde sieben Jahre vorher alio loco mit einer Teleskopprothese auf sechs Implantaten im Oberkiefer und festsitzendem Zahnersatz auf zwei Implantaten in der Unterkieferfront versorgt. Der Knochen war krestal in der Breite deutlich atrophiert und zeigte eine geringe Restknochenhöhe über dem Nervus alveolaris inferior.
Um eine Implantatversorgung im IV. Quadranten mit einem vertretbaren Aufwand realisieren zu können, wurde eine Implantation mit gleichzeitiger autologer Augmentation unter Verwendung von längenreduzierten Implantaten gewählt. Es kamen iSy Implantate in den Dimensionen 3,8 x 9 mm und 4,3 x 7,3 mm zum Einsatz. Die Implantate heilten gedeckt ein.
Zur Freilegung wurden zunächst die aufgesteckten PEEK Verschlusskappen wieder entfernt. Als primäre Gingivaformer wurden der Patientin die Implantatbasen, die für die gedeckte Heilung entfernt worden waren, eingesetzt und die den Implantaten beiliegenden PEEK Gingivaformern aufgesteckt. Diese bieten eine einfache, aber effektive Weichgewebeausformung für die ersten zehn Tage nach Freilegung (Abb. 10 Tage nach Freilegung).
Am Tag der Nahtentfernung erfolgte die Abformung mit den Multifunktionskappen. Diese wurden für eine konventionelle Abformung mit geschlossener Löffeltechnik auf die Implantatbasen gesteckt. Da die Implantatbasis ohne Einschränkung zur Verwendung als definitives Abutment beziehungsweise Klebebasis freigegeben ist, mussten vom Labor keinerlei Implantatteile zusätzlich bestellt werden.
Nach erfolgter Abformung wurden die Implantatbasen wieder entfernt und dem Abdruck für das Labor beigelegt. Zur optimalen Ausformung der Weichgewebe kamen iSy Esthomic® Gingivaformer zum Einsatz. Sie sind, entsprechend der gewünschten prothetischen Zahnform, in drei Größen (S, M und L) verfügbar.
Im Labor wurden die Meistermodelle erstellt und die erforderlichen Schritte für das Designen und Fertigen der individuellen Zirkonabutments durchgeführt. Sie wurden auf den iSy Implantatbasen extraoral verklebt, wobei die Klebeanteile der Basen für einen besseren Haftverbund angeraut und silanisiert wurden.
Bei der Verwendung von individuellen Abutments empfiehlt sich eine Abutment- Anprobe, um die genaue Lage der Präparationsgrenze klinisch überprüfen zu können. Gummielastische Gingivamasken auf dem Modell können die Resilienz der Gingiva nur unzureichend imitieren. Eine maximal 1 mm subgingivale Lage der Präparationsgrenzen sollte hierbei eingehalten werden, um Zementreste beim Einsetzen des Zahnersatzes sicher entfernen zu können.
Das Brückengerüst wurde im CAD/CAM-Verfahren aus Zirkoniumdioxid gefertigt und individuell verblendet. Um das Längenverhältnis der Zähne optisch etwas zu verkürzen, wurde im sichtbaren Bereich rosa Keramik aufgebracht.
Die Röntgenkontrollaufnahme zeigt die eingesetzten Brücken im Unterkiefer. Das iSy Implantatsystem vereint in seiner Konstruktion typische Eigenschaften: eine konische Innenverbindung, eine „RTTT“- (rough-to-the-top) Oberfläche und einen Implantat-Abutmentübergang mit Platform-Switching. Dabei ist zu beachten, dass diese Merkmale, eine epi- bis subkrestale Positionierung des Implantats verlangen.
Die eingesetzte Implantatbrücke 43 – 46 nach der Ästhetik- und Funktionskontrolle: Die Putzkanäle unterstützen bei der häuslichen Mundhygiene, in der die Patienten zunächst unterrichtet wurde. Die Implantatbasis erfüllt in diesem Fall mehrere Funktionen gleichzeitig: als Einbringpfosten, als Gingivaformer bei transgingivaler Heilung oder nach Freilegung, als Abformpfosten, als provisorisches Abutment sowie als definitive Klebebasis.